Staatliche Zensur in China: Apple entfernt VPN-Apps

Florian Matthey 1

Ein Teil des Internets lässt sich von China aus nicht ohne Weiteres abrufen. Viele Chinesen umgehen mit Hilfe von VPNs die staatliche Zensur – auch mit dem iPhone. Jetzt hat Apple einige VPN-Apps aus dem chinesischen App Store entfernt.

Staatliche Zensur in China: Apple entfernt VPN-Apps

Entwickler von VPN-Apps berichteten am Wochenende, dass Apple sie über das Entfernen ihrer App aus dem chinesischen App Store informiert habe. Das Unternehmen verweise lediglich darauf, dass die Inhalte der Apps in China illegal seien und deshalb eine Entfernung nötig sei.

Über ein VPN (kurz für „virtual private network“) werden Internet-Verbindungen „umgeleitet“: Das Gerät des Endbenutzers, der sich mit einem VPN verbindet, kommuniziert direkt ausschließlich mit diesem VPN. Ein VPN-Benutzer in China kann so auch Inhalte aufrufen, die in China gesperrt sind, solange die „Great Firewall“ des Landes die Verbindung zum VPN-Anbieter erlaubt. Über VPNs ist somit beispielsweise auch der Zugriff auf das soziale Netzwerk Facebook möglich, das China seit 2009 blockiert. VPNs stellen daher die größte Schwachstelle der Blockademaßnahmen der chinesischen Behörden dar. Diese lässt sich auch nur schwer verschärfen.

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Dadurch, dass die VPN-Apps nicht mehr im chinesischen App Store erhältlich sind, ist es für iPhone- und iPad-Benutzer jedenfalls schwieriger geworden, VPNs für Verbindungen „nach draußen“ zu verwenden. Dass sich die chinesischen Behörden eine Löschung der Apps wünschten, ist daher nicht überraschend. Es stellt sich aber die Frage, warum Apple dieses Spiel mitspielt – immerhin betont das Unternehmen häufig, sich für Menschenrechte einzusetzen.

Dementsprechend laut ist auch die Kritik am iPhone-Hersteller. Sunday Yokubaitis, Präsident des Entwicklers Golden Frog, verweist darauf, dass sein Unternehmen Apple einst im Streit mit dem FBI um den Zugriff auf verschlüsselte Daten eines iPhone mit dem Ziel des Datenschutzes unterstützt habe. Es sei vor allem enttäuschend, dass Apple gar keine Bestimmung des chinesischen Rechts nennt, aufgrund derer die Apps illegal sein sollen.

Gegenüber der New York Times hat sich Apple noch am Wochenende geäußert: In diesem Jahr habe die chinesische Regierung bekannt gegeben, dass alle Entwickler, die Software für VPNs anbieten, eine Lizenz von der Regierung erhalten müssen. Die Regierung habe Apple angewiesen, Apps, die diese Voraussetzung nicht erfüllen, aus dem chinesischen App Store zu entfernen. In den Versionen des App Store außerhalb Chinas seien diese aber weiterhin verfügbar.

Letztendlich blieb Apple also keine andere Wahl – außer der Option, sich mit den chinesischen Behörden anzulegen. Dass das Unternehmen dies nicht tut, ist zumindest aus wirtschaftlichen Gründen verständlich: China ist für Apple der größte Markt außerhalb der USA.

Quelle: New York Times

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