Telegram und der Datenschutz: Wie sicher ist der Messenger?

Marco Kratzenberg

Gerade den Deutschen ist ihre Privatsphäre sehr wichtig – auch oder gerade bei den Messenger-Apps. Der Telegram-Datenschutz ist wohl besonders gut, weshalb die russische Regierung Telegram auch unter Druck setzt. Wie sicher die App ist, lest ihr hier…

Nicht nur die NSA und Russland wollen bei den Messengern mitlesen, auch die Bundesregierung möchte WhatsApp, Telegram und Co überwachen. Darum wirbt jetzt so ziemlich jeder Messenger mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und prahlt mit weiteren Sicherheitsfeatures. Wir haben uns für euch angesehen, was der Telegram-Datenschutz für den Nutzer bedeutet.

Man muss zum Chatten nicht unbedingt seine Handynummer offenlegen:

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Messenger ohne Handynummer: 7 alternative Chat-Apps (Android & iOS).

Wie gut ist der Datenschutz bei Telegram denn nun?

Das Problem bei der Frage nach dem Telegram-Datenschutz ist, dass man kaum eine der Aussagen dazu wirklich überprüfen kann. Das andere Problem ist, dass der durchschnittliche Benutzer gar nicht weiß, was er vom Datenschutz eigentlich erwartet.

Ein gutes Beispiel ist die Kritik der Stiftung Warentest, dass die Kontakte der Nutzer zum Abgleich auf einem Server gespeichert werden. Das ist – laut den Herstellern – dazu nötig, um euch anzeigen zu können, welcher eurer Kontakte ebenfalls Telegram benutzt. Technisch gesehen ist das verständlich, da die Nutzer vor allem immer alles auf einmal wollen: Maximalen Datenschutz und bequeme Bedienung. Übrigens könnt ihr den Zugriff auf die Kontakte auch untersagen. In dem Fall müsst ihr eben selbst eure Kontakte fragen, ob sie Telegram nutzen – und ihr seid nicht davor sicher, dass sie Telegram den Zugriff erlaubt haben, sodass zumindest eure Nummer dort gespeichert wird.

Datenverschlüsselung, geheime Chats und zweistufige Anmeldung

Der Messenger setzt auf gleich zwei Verschlüsselungsebenen mit insgesamt drei verschiedenen Verschlüsselungen (256-bit symmetrische AES Verschlüsselung, RSA 2048 Verschlüsselung sowie dem Diffie-Hellman Schlüsselaustauschverfahren). Damit werden die Daten zwischen Servern und Clients sowie zwischen Clients selbst (Ende-zu-Ende) gesichert.

Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit, eine zweistufige Anmeldung zu aktivieren. Die soll dann wirken, wenn sich jemand beispielsweise bei Telegram online oder auf einem anderen Gerät anmeldet, um mit Hilfe der Handynummer an die Chatnachrichten eines anderen zu kommen. Theoretisch könnte man ja einfach die SIM eines gestohlenen oder beschlagnahmten Geräts in ein anderes Handy stecken, sich damit bei Telegram anmelden, die Bestätigungs-SMS bekommen und dann auf alle gespeicherten Chats und Kontakte zugreifen.

Bei der zweistufigen Anmeldung ist in dem Fall noch die Angabe eines selbstgewählten Passwortes nötig – zusätzlich zum SMS-Code. Ansonsten kann man nicht auf Telegram zugreifen.

Noch mehr Datenschutz bei Telegram

Ihr könnt bei Telegram auch einen Benutzernamen festlegen und über spezielle Links mit anderen Telegram-Nutzern chatten. Daher ist es nicht nötig, dass die anderen eure richtige Handy-Nummer kennen, also könnt ihr in Telegram eure Nummer verbergen.

Ein weiteres Sicherheitsfeature stellen die „geheimen Chats“ in Telegram dar. Sie ermöglichen euch, die Chat-Speicherung auf fremden Servern komplett zu umgehen. Die Nachrichten werden nur verschlüsselt zwischen den Teilnehmern versendet und ausschließlich auf deren Geräten gespeichert. Hier können Nachrichten auch mit einer „Selbstzerstörung“ versehen werden, die sie nach einer bestimmten Zeit auf den Geräten löscht. Zusätzlich wird in diesem Modus versucht, das Anfertigen von Screenshots zu blockieren. Das schützt natürlich nicht davor, dass jemand den Bildschirm fotografiert. Immerhin werden diese Chats nach der Abmeldung gelöscht, sodass sie nirgends in der Cloud zu finden sind und keiner sie später nochmal wiederherstellen kann.

Im Vergleich sind die Datenschutz-Einstellungen von WhatsApp eher enttäsuchend:

WhatsApp Datenschutzeinstellungen.

Überprüfung der Telegram-Sicherheit

Teilweise verwendet Telegram quelloffenen Code für seine App. Anhand dieses Codes kann man zumindest einen Teil der Datensicherheit abklopfen. Aber es ist eben nicht alles frei und ebenso wenig weiß man, was an den PR-trächtigen Aussagen der Macher nun wirklich dran ist.

Angesichts der Androhung Russlands, Telegram zu blockieren, wenn sie die Schlüssel für ihre gespeicherten Chats nicht herausrücken, gaben sich die Brüder Nikolai und Pavel Durov kampfbereit: Telegram speichere die Schlüssel auf Servern rund um den Globus. So sei sichergestellt, dass keine Regierung „in die Privatsphäre oder die Meinungsfreiheit der Menschen“ eingreifen könne.

Ob das nun allerdings stimmt, kann niemand von uns mit den üblichen Mitteln überprüfen. Sicher ist, dass verschiedenste Geheimdienste es überprüfen werden. Ebenso sicher ist, dass sie es uns nicht verraten, wenn sie Erfolg haben.

Zuversichtlich gibt sich Telegram auch hinsichtlich seiner Verschlüsselung. Immerhin bietet das Unternehmen jedem Hacker 300.000 US-Dollar, dem es gelingt die Verschlüsselung zu knacken und Nachrichten zu entschlüsseln.

Fazit zum Telegram-Datenschutz

Immer vorausgesetzt, dass man den Angaben der Hersteller glauben kann, stellt Telegram sicher eine der sichersten kostenlosen Messenger-Apps dar. Der Datenschutz wird durch effektive Verschlüsselung und dezentrale Lagerung der dafür verwendeten Schlüssel garantiert. Die geheimen Chats nutzen ein sicheres Schlüssel-Austausch-System und lassen sich problemlos löschen. Wem schon die Nähe von WhatsApp zum Datenstaubsauger Facebook nicht behagt, sollte zu Telegram umsteigen. Problematisch ist dabei nur, seine Kontakte ebenfalls dazu zu bewegen.

WhatsApp & Co.: Welchen Messenger nutzt ihr?

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