Honor 10 im Test: Der neue Preis-Leistungs-Kracher

Kaan Gürayer 9

Spitzentechnik zum Kampfpreis: Mit einer UVP von 399 Euro zettelt das Honor 10 nicht weniger als einen neuen Preiskrieg an und möchte der etablierten Flaggschiff-Konkurrenz das Fürchten lehren. Ob der China-Kracher nur heiße Luft versprüht – oder sich Samsung, Apple und Co. wirklich Sorgen um ihre Pfründe machen müssen, klärt unser Testbericht zum Honor 10. 

Honor 10 im Test: Der neue Preis-Leistungs-Kracher
Bildquelle: GIGA.

Ich sitze in der 11. Etage einer Düsseldorfer Event-Location, umringt von anderen Pressevertretern. „Was sagt denn der mächtige Mutterkonzern dazu?“, fragt jemand hinter mir. „Uns egal!“, antwortet der PR-Mensch von Honor selbstbewusst. Wir sind perplex.

Vorher wurde der Preis des neuen Honor 10 verraten: 399 Euro für das Modell mit 64 GB Speicherplatz. Eine Kampfansage – und zwar nicht nur an die Mitbewerber. Huaweis P20, das in vielerlei Hinsicht die technische Vorlage für das Honor 10 stellt, schlägt mit 649 Euro zu Buche. Der Preisabstand zum P20 Pro, dem Galaxy S9 oder iPhone X ist sogar noch größer.

Nachdem die ehemaligen „Flaggschiff-Killer“ aus dem Hause OnePlus mit jeder Generation teurer wurden, hat sich eine Lücke aufgetan, die jetzt das Honor 10 mit seinem 399-Euro-Preisschild schließen will. In unserem Test erfahrt ihr, ob das Honor 10 tatsächlich in diese Fußstapfen treten kann.

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Honor 10 im Test: Exzellente Verarbeitungsqualität mit umwerfender Optik

Unser Testgerät kommt in der Farbvariante „Phantom Blau“ und sieht – um nur ein Wort zu gebrauchen – umwerfend aus. Je nach Betrachtungswinkel spiegelt die Glasrückseite in einer anderen Farbe. „Aurora“, nennt Honor diesen Effekt. Die Lichtspielerei übertrifft laut Hersteller die das Huawei P20 und P20 Pro – eine Behauptung, die wir bestätigen können.

Abseits der Lichtspiegelungen sticht auf der Rückseite vor allem die Dual-Kamera ins Auge. Das horizontal angebrachte Kameramodul residiert links oben und ragt etwas aus dem Gehäuse heraus. Angst vorm Kippeln braucht man trotzdem nicht zu haben: Auch auf flachen Untergründen liegt das Honor 10 mit der Rückseite noch sicher auf. Direkt neben der Dual-Kamera ist das Blitzlicht zu finden. Nebenan verrät das Smartphone bereits sein Highlight-Feature: „AI Camera“ steht rechts oben geschrieben – wie das Huawei P20 und P20 Pro hat auch das Honor 10 einen KI-Kamera-Assistenten an Bord, der die geschossenen Bilder automatisch verbessern soll. Beinahe schon dezent wirkt das Honor-Logo am unteren Ende der Rückseite.

Komplett flach ist dagegen die Front: Mit Ausnahme eines winzigen Ausschnitts für die Hörmuschel ist die gesamte Vorderseite von einem einzigen Stück Glas bedeckt. Selbst der Fingerabdrucksensor befindet sich unter dem Frontglas. Lediglich eine gestrichelte Umrandung weist den Nutzer darauf hin, wo er seinen Finger aufzulegen hat. Laut Konzernangaben ist das Honor 10 das erste Smartphone, das eine derartige Technik für einen Preis von unter 1.500 Euro anbietet.

Die Entsperrung funktionierte im Testzeitraum von circa drei Wochen auch problemlos und akkurat. Allerdings: Ganz so blitzschnell, wie man es sonst vom Hersteller gewohnt ist, klappt es dann doch nicht. Lassen sich Honor-Smartphones normalerweise in Sekundenbruchteilen entriegeln, muss man beim Honor 10 den Finger ein bis zwei Sekunden auf dem Sensor lassen. Sicher: Jammern auf hohem Niveau und alles andere als ein „Dealbreaker“ – im Vergleich zu anderen Honor-Smartphones fällt es aber schon auf.

Eingefasst ist das „Glas-Sandwich“ in einem hochwertigen Metallrahmen, dessen Ecken abgerundet sind und dem Honor 10 somit ein hervorragendes Handling verpassen. Ebenfalls leicht abgerundet ist das Frontglas, das nahtlos in den Rahmen übergeht und Luxus-Feeling versprüht.

Mittlerweile Seltenheitswert hat der Infrarot-Sensor, der beim Honor 10 an der Oberkante des Smartphones untergebracht ist. Daneben findet das Sekundär-Mikro Platz. Powerbutton und Lautstärkewippe bieten hervorragende Druckpunkte und sind in gut erreichbarer Höhe auf der rechten Seite untergebracht. Gegenüber hat der Hersteller den Dual-SIM-Slot platziert. An der Unterkante des Honor 10 gibt außerdem: USB-C-Anschluss, Hauptmikrofon und Lautsprechergrill für den Mono-Lautsprecher. Einen 3,5-mm-Klinkenanschluss für herkömmliche Kopfhörer bringt das Honor-Flaggschiff ebenfalls mit – bravo!

Honor 10 im Test: Display mit Lücke

5,84 Zoll misst das LC-Display im Honor 10. Bei einer Auflösung von 2.280 x 1.080 Pixeln ergibt das eine Pixeldichte von 431 ppi. Die Konkurrenz in Form eines Galaxy S9 oder iPhone X bieten hier zwar mehr, lässt sich die schärferen Bildschirme aber auch gerne mit einem zwei- bis dreimal so teureren Gerätepreis bezahlen. Einzelne Pixel konnten wir auf dem Display des Honor 10 selbst bei genauerem Hinsehen nicht ausmachen. Auch auf knapp 6 Zoll ist eine Full-HD+-Auflösung also absolut ausreichend. Die verwendete IPS-Technik sorgt außerdem für starke Blickwinkel. Die Helligkeit bewegt sich auf Durchschnittsniveau.

Auf einen „Notch“, also einer Kerbe am oberen Bildschirmrand, konnten oder wollten die Designer beim Honor 10 nicht verzichten. Die Displaylücke polarisiert – die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Im Vergleich zu einem iPhone X ist die Kerbe aber wenigstens recht schmal gehalten, da der Notch lediglich Hörmuschel und Frontkamera beherbergen muss und kein 3D-Kamera-System à la TrueDepth wie im Jubiläums-iPhone.

Viele Apps sind aber noch nicht auf die Displaylücke angepasst. Hier wird hoffentlich der Release von Android 9.0 P, das einen nativen Notch-Support mitbringt, für den nötigen Schwung sorgen. Wer sich partout nicht damit anfreunden mag, kann die Kerbe in den Einstellungen zumindest „deaktivieren – die Bereiche rechts und links neben dem Notch werden dann eingeschwärzt. Hübsch: Die Displayecken sind genauso abgerundet wie das Gehäuse selbst, womit das schicke Design des Smartphones noch einmal unterstrichen wird.

Honor 10 im Test: Mono-Lautsprecher und Klinke

Auf einen Lautsprecher kann das Honor 10 verweisen, der sich an der Unterseite rechts neben dem USB-C-Port befindet. Als Mini-Stereoanlage taugt Honors neuestes Top-Smartphone also nicht gerade. Trotz allem gibt der Mono-Speaker einen akzeptablen Klang aus und fängt auch bei höheren Lautstärken nicht an, unangenehm zu klirren. Bass und Klangfülle liegen für einen Einzellautsprecher auf einem guten Niveau. Die Sommer-Grill-Party würden wir aber trotzdem nicht mit dem Honor 10 beschallen.

Echte Audiophile greifen ohnehin zu Kopfhörern – und hier kann das Honor 10 mit einer echten Seltenheit punkten: ein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss! Nachdem die „Klinke“ erst von Apple ausgemustert wurde, folgten zuletzt namhafte Android-Hersteller wie HTC, Google und nicht zuletzt Honors Konzernmutter Huawei. Dass Kinder – oder in diesem Fall: Tochtermarken – nicht immer dem Vorbild der Eltern nacheifern müssen, beweist das Honor 10. Die Klangausgabe über den Kopfhöreranschluss liegt ebenfalls auf einem guten Durchschnittsniveau. Im Vergleich zur Soundausgabe über den Lautsprecher gibt es hier keinen Ausreißer. Bei manchen Kracher-Songs hätten wir uns manchmal aber eine etwas höhere Lautstärke gewünscht.

Die Anrufqualität gab keinen Grund zur Kritik und lag auf beiden Seiten – im positiven Sinne – auf durchschnittlichem Niveau.

Honor 10 im Test: Achtkern-Chip sorgt für Spitzenleistung

Im Honor 10 arbeitet der Kirin 970 aus Huaweis eigener Chip-Schmiede Hisilicon. Der Achtkern-Prozessor besitzt eine maximale Taktrate von 2,4 GHz und wird von 4 GB RAM unterstützt. Sein hiesiges Debüt feierte der Kirin 970 bereits im Huawei Mate 10 Pro aus dem letzten Jahr. Obwohl der Chipsatz nicht mehr ganz taufrisch ist, überzeugt das Honor 10 mit einer exzellenten Performance, die keine Wünsche übrig lässt. Ob Surfen im Web, schneller App-Wechsel oder aufwändiges 3D-Spiel: Zu keiner Zeit geht dem Honor 10 die Puste aus. Ruckler oder andere Leistungseinbrüche kennt das Smartphone nur vom Hörensagen.

In zwei Varianten wird das Honor 10 hierzulande angeboten: Einmal mit 64 GB Speicher für 399 Euro und einmal als 128-GB-Version für 449 Euro. Unser Testgerät hatte 128 GB Speicher an Bord, von denen noch circa 115 GB frei verfügbar waren. Eine Erweiterungsmöglichkeit via SD-Slot fehlt allerdings.

Honor 10: Technische Ausstattung im Überblick

Display 5,8 Zoll LCD, 2.240 × 1.080 Pixel, 428 ppi
Prozessor Kirin 970, Octa-Cora, 2,4 GHz
GPU Mali-G72 MP12
Arbeitsspeicher 4 GB RAM
Interner Speicher 64 GB oder 128 GB
Hauptkamera Dual-Kamera: 16 MP (RGB) + 24 MP (Monochrom), f/1.8
Frontkamera 24 MP, f/2.0
Akku 3.400 mAh, Schnelllade-Funktion, USB Type-C
Betriebssystem Android 8.1 Oreo inkl. EMUI 8.1
Maße 149,6 x 71,2 x 7,7 mm
Gewicht 153 Gramm
Sonstiges WLAN 802.11ac, GPS, Bluetooth 4.2 LE, NFC, LTE, Dual-SIM

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Honor 10 im Test: Clevere KI-Kamera

Wer selbstbewusst „AI Camera“ auf die Rückseite seines neuesten Vorzeige-Smartphones schreibt, hält zweifellos große Stücke auf die Kamera – zu Recht? Die Dual-Kamera im Honor 10 kombiniert einen 16-MP-Sensor mit f/1.8-Blende für Farbaufnahmen mit einem 24-MP-Sensor für Schwarz/Weiß-Fotos. Für Selfies steht eine 24-MP-Frontkamera bereit.

Auf Leica-Technik wie im Huawei P20 muss das Honor 10 zwar verzichten – trotzdem lassen sich die Ergebnisse sehen. In guten Lichtverhältnissen brilliert das Honor 10 mit detailreichen Aufnahmen und einer guten Farbwiedergabe. Daran dürfte auch die künstliche Intelligenz ihren Anteil haben: Wie beim Huawei P20 und P20 Pro besitzt das Honor 10 einen KI-Kamera-Assistenten, der Objekte und Szenen selbstständig erkennt und die Kameraeinstellungen automatisch darauf anpasst.

Das hat im Test auch wunderbar geklappt: Blumen, Landschaftsaufnahme oder Schrift – der digitale Helfer in der Kamera des Honor 10 wusste stets, was gerade fotografiert wird und hat die Einstellungen automatisch angepasst. Low-Light-Fotos können hingegen nicht ganz mit ihren Pendants aus dem Tage mithalten. Eine größere Blendenöffnung und Verschlusszeit hätte hier vielleicht geholfen. Trotzdem: Insgesamt schneidet die Kamera im Honor 10 überdurchschnittlich ab.

Eine absolute Neuheit besitzt das Honor 10 auch: Semantische Bildaufteilung. Dabei sollen verschiedene Objekte im Bild kategorisiert und optimal in Szene gesetzt. Wenn sich also die beste Freundin vor dem Grand Canyon fotografieren lässt, so Honor, erkennt die Künstliche Intelligenz die Objekte „Person“, „Landschaft“ und „Himmel“ und optimiert jedes Objekt einzeln. Im Anschluss setzt der KI-Kamera-Assistent die einzelnen Bildteile neu zusammen, um das beste Ergebnis zu erhalten.

Wie gut die semantische Bildaufteilung in der Praxis funktioniert, lässt sich erst im direkten Vergleich mit dem Huawei P20 sagen. Bis dahin könnt ihr einige Beispielfotos sehen, die wir mit dem Honor 10 geschossen haben:

Honor 10 im Test: Licht und Schatten bei der Software

Auf dem Honor 10 läuft das aktuelle Android 8.1 inklusive EMUI in Version 8.1. An dieser Stelle hat Honor Lob verdient: Obwohl Android 8.1 bereits seit Dezember 2017 verfügbar ist, bringt manch anderer Hersteller selbst heute noch Smartphones mit Android 8.0 auf den Markt.

Das Emotion User Interface (EMUI), die Benutzeroberfläche von Huawei- und Honor-Smartphones, erweitert Android um viele nützliche Features. So können im EMUI etwa Apps „geklont“ werden, um Facebook, Snapchat oder andere Anwendungen mit unterschiedlichen Accounts zu nutzen. Die Reihenfolge der Navigationstasten lässt sich individuell bestimmen, zur Erhöhung der Akkulaufzeit kann die Displayauflösung reduziert werden, abgesicherte Tresore schützen Nutzerdaten vor neugierigen Blicken und vieles mehr. Weitere Tipps und Tricks zum EMUI findet ihr hier: Huawei P20 (Pro): Die 21 besten Tipps und Tricks.

Über den Funktionsumfang der Benutzeroberfläche können wir nicht wirklich meckern. Anders sieht es bei Aufbau und Optik aus.

Noch immer verwirrt das EMUI mit unlogischen Menüstrukturen und nutzlosen App-Doppelungen. Hinzu kommt der Fake-iOS-Look der Software. Vom Design App-Icons über das Aussehen der Ordner bis hin zu den Animationen: Die Programmierer haben sich mehr als nur eine „Inspiration“ am iPhone-Betriebssystem genommen und iOS an vielen Ecken und Enden kopiert. Das macht EMUI 8.1 nicht zu einer schlechten Software – wir hätten uns bloß eine etwas eigenständigere Optik gewünscht. Und wo wir schon bei Wünschen sind: Etwas weniger Bloatware darf es beim nächsten mal auch sein.

Honor 10 im Test: Ausdauernder Akku

Eine Kapazität von 3.400 mAh besitzt der Akku im Honor 10. Damit liegt der Energiespeicher auf einem Niveau mit dem Huawei P20 und überrundet sogar Konkurrenzmodelle wie das Galaxy S9 oder LG G7 ThinQ, die beide mit 400 mAh weniger auskommen müssen.

Selbst bei anspruchsvoller Nutzung brachte uns der Akku sicher über einen Arbeitstag und hatte am Ende noch 15 bis 20 Prozent übrig. Wer das Honor 10 nur hin und wieder in die Hand nimmt, kann problemlos auch Laufzeiten von zwei Tagen oder länger erreichen – hier zeigt sich das hervorragende Energiemanagement des EMUI von seiner besten Seite.

Neigt sich der Saft einmal dem Ende entgegen, ist das Honor 10 dank Schnelllade-Technik in Windeseile wieder geladen. Auf Wireless Charging müssen Käufer trotz Glasgehäuse verzichten – schade!

Honor 10 im Test: Fazit

Nach dem Test des Honor 10 muss ich noch einmal an die Worte des PR-Menschen denken: „Uns egal!“ Was ich damals für leeres Marketingsprechen gehalten habe, hat sich auf eindrucksvolle Weise bewahrheitet. Im Kampf um Marktanteile nimmt Honor auf nichts und niemanden Rücksicht – nicht einmal auf die eigene Konzernmutter.

Mit welchem Laissez-faire Honor die bisherige Preisgestaltung der Smartphone-Industrie auf den Kopf stellt, ist geradezu bemerkenswert. Während die Samsungs und Huaweis dieser Welt die Preisschraube nur in eine Richtung drehen, zeigt ausgerechnet die Tochtermarke des chinesischen Herstellers, dass es auch anders geht. Das Honor 10 ist schön, schnell und schlau. Design und Verarbeitungsqualität liegen auf Oberklasse-Niveau, die Performance ist über jeden Zweifel erhaben und die Dual-Kamera mit dem cleveren KI-Assistenten zaubert auch aus den schlechtesten Schnappschüssen echte Hingucker.

Selten gab es so viel Smartphone für so wenig Geld: Für 399 Euro setzt das Honor 10 neue Maßstäbe in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis und dürfte die Konkurrenz in den kommenden Monaten mächtig ins Schwitzen bringen.

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Honor 10 im Test: Bewertung im Detail

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Display: 4/5
  • Kameras: 4/5
  • Software: 3/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 5/5

Gesamt: 85 %

Was haltet ihr vom Honor 10 – eine Alternative zu Huawei P20, Galaxy S9 und Co.? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare! 

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