Sony Xperia XZ2 im Test: Glasschönheit mit Verwechslungsgefahr

Kaan Gürayer 8

Gefleht haben wir, gebettelt und am Ende hat uns die Hoffnung ganz verlassen: Dass Sony sich nach geschlagenen fünf Jahren noch einmal von seiner angestammten Designlinie verabschiedet, erschien uns genauso wahrscheinlich wie die Wahrheit aus dem Munde von Donald Trump – dann wurde das Xperia XZ2 vorgestellt. Ob Sonys optischer Neustart gelungen ist und was das Top-Smartphone sonst noch auf dem Kasten hat, erfahrt ihr im Test.  

Sony Xperia XZ2: Erster Eindruck

Sony Xperia XZ2 (Compact) im Hands-On.

Sony Xperia XZ2 im Test: Fazit

In den vergangenen Jahren ist Sony etwas in Vergessenheit geraten. Zwar konnten die Japaner nie auf Verkaufszahlen wie die Konkurrenz von Samsung oder Apple verweisen, trotzdem wurden die Xperia-Flaggschiffe des Konzerns stets in einem Atemzug mit dem neuesten Galaxy S oder iPhone genannt – ein Platz in der Smartphone-Hierarchie, den Sony mittlerweile an Unternehmen wie Huawei abgeben musste.

Trotz lobenswerter Fortschritte schafft aber auch das Xperia XZ2 nicht die Trendwende für Sony. Im Test des Xperia XZ2 zeichnet sich das Bild eines Smartphones ab, das keine nennenswerten Alleinstellungsmerkmale bietet. Auch die Konkurrenz ist hervorragend verarbeitet, bietet Leistung auf höchstem Niveau und kann mit exzellenten Kameras punkten – nervt im Gegensatz zum Xperia XZ2 die Nutzer aber nicht mit fragwürdigen Designentscheidungen oder Bloatware.

Nicht besonders gut, nicht besonders schlecht: „Passt scho’“, würde der Bayer zu Sonys neuestem Top-Smartphone sagen. Im Jahr 2018 ist das aber zu wenig, um sich gegen Galaxy S9, Huawei P20 Pro und Co. zu behaupten – zumal der Preis mit 799 Euro (UVP) in ähnlich hohen Sphären schwebt.

Eine Kaufempfehlung für das Xperia XZ2 können wir also nur eingefleischten Sony-Fans aussprechen und selbst die sollten sich ernsthaft fragen, ob sie mit dem noch immer hervorragenden (und mittlerweile deutlich günstigeren) Vorgänger nicht doch besser bedient sind.

Sony Xperia XZ2 im Test: Bewertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Display: 4/5
  • Kameras: 4/5
  • Software: 3/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 3/5

Gesamt: 75 %

Sony Xperia XZ2 im Test: Design und Verarbeitung

Auch wenn wir Sonys Mut begrüßen, nach fünf Jahren seine „Omnibalance“ genannte Formsprache auszumustern, ist der lang ersehnte Neuanfang leider misslungen. Mit seinen 197 Gramm ist das Xperia XZ2 zu schwer für ein modernes Oberklasse-Smartphone. Zum Vergleich: Samsung-Konkurrent Galaxy S9 bringt trotz größerer Displaydiagonale nur 163 Gramm auf die Waage.

Zudem plagen das Xperia XZ2 eine Reihe von fragwürdigen Designentscheidungen, die das Smartphone im Alltag zu einem echten Nervtöter machen. So sind etwa Fingerabdrucksensor und Powerbutton viel zu tief angebracht, weshalb man sie fortwährend mit der mit Kameralinse und Lautstärkewippe verwechselt – ein Manko, an das wir uns auch nach zwei Testwochen nicht gewöhnen konnten.

Immerhin: Glasgehäuse und einfassender Metallrahmen sind exzellent verarbeitet und geben keinen Anlass zur Kritik. Dank der Wölbung des Glasrückens liegt das Xperia XZ2 außerdem gut in der Hand, auch wenn das Smartphone mit einer Bautiefe von 11,1 mm keinen Schlankheitspreis gewinnt und im wahrsten Sinne des Wortes dick aufträgt. Auf flachen Oberflächen besteht außerdem extreme Rutschgefahr, das Xperia XZ2 flutscht auf Tischen geradezu hinweg.

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Wie das Xperia XZ2 im Detail ausschaut, könnt ihr hier sehen:

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Sony Xperia XZ2 in Bildern: Glasschönheit mit Überraschungen.

Sony Xperia XZ2 im Test: Display und Sound

Auch Sony folgt dem aktuellen Smartphone-Trend und verbaut einen Bildschirm im modernen 18:9-Format. Das LC-Display basiert auf der IPS-Technik, ist HDR-fähig und löst mit 2.160 x 1.080 Pixeln auf – ordentlich, aber nicht überragend. Die Konkurrenz bietet hier mehr. Die Darstellung ist durchschnittlich und kann sich weder positiv noch negativ absetzen, etwas stabilere Blickwinkel hätten wir uns aber gewünscht. Nervig war das extrem sensibel eingestellte Gyroskop, der den Bildschirminhalt des Xperia XZ2 schon bei der leichtesten Neigung hat drehen lassen.

Als HiFi-Pionier erwartet man Sony-Smartphones Sound auf Spitzen-Niveau – dieses Versprechen konnte das Xperia XZ2 im Test aber nur bedingt einlösen. Die Stereo-Lautsprecher erzeugen einen klaren und ausgewogenen Klang, ab etwa 80 Prozent lässt sich aber hörbares Klirren vernehmen. Zudem fehlt es etwas an Tiefe. Positiv: Beide Lautsprecher sind ober- und unterhalb des Displays angebracht und geben den Sound zum Nutzer ab. Eines der Highlight-Features des Xperia XZ2, die sogenannte „Dynamische Vibration“, die die Audioausgabe mit zusätzlichen Vibrationen unterstützen soll, empfanden wir als nutzloses Gimmick und haben die Funktion umgehend ausgeschaltet.

Kurios: Obwohl das Xperia XZ2 auf USB C setzt und keine Klinkenbuchse besitzt, sind im Lieferumfang Sony-Kopfhörer mit 3,5-mm-Klinkenanschluss vorhanden. Zumindest die Klangausgabe kann – verbunden über den ebenfalls im Lieferumfang enthaltenen Adapter – aber überzeugen. Trotzdem beklagen wir den Wegfall der Klinkenbuchse.

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Sony Xperia XZ2 im Test: Kameras

Eine 19-MP-Kamera mit f/2.0-Blende hat Sony auf der Rückseite des Xperia XZ2 Compact untergebracht, an der Front löst die Selfie-Kamera mit 5 MP auf. Auf besondere Features wie einen Dreifach-Sensor oder eine variable Blende verzichtet der Hersteller. Während des Tages als auch bei Dämmer- und Nachtlicht kann sich die Qualität sehen lassen, Sony verringert spürbar den Abstand zur Konkurrenz. Als Vorzeige-Feature gibt es im Xperia XZ2 eine Super-Zeitlupe mit 960 fps bei 1080p, die – etwas Geduld vorausgesetzt – beeindruckende Effekte ermöglicht.

Xperia XZ2 und XZ2 Compact sind baugleich und besitzen die gleiche Kamera. Wer sich einen genaueren Einblick über die Kameraqualitäten der neuen Xperia-XZ2-Smartphones verschaffen möchte, kann das hier machen:

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24 Bilder
iPhone 8 vs. Sony Xperia XZ2 (Compact): Kameras im Foto-Vergleich.

Sony Xperia XZ2 im Test: Software

Auf dem Xperia XZ2 läuft Android 8.0 Oreo – weshalb das Smartphone nicht mit der aktuellen Android-Version 8.1 ausgeliefert wird, die bereits seit Monaten verfügbar ist, weiß wohl nur Sony selbst. Traditionell hält sich Sony mit tief greifenden Anpassungen an Android zurück und auch das Xperia XZ2 macht hier keine Ausnahme.

Während wir diese Entscheidung begrüßen, stößt uns etwas anderes aber sauer auf: Sony hat dem Xperia XZ2 eine Reihe von Bloatware-Apps mitgegeben, deren Benehmen wir teilweise nur noch als unverschämt bezeichnen können. Über Amazon-Apps können wir noch hinwegsehen – aber der nervige AVG-Virenscanner, der sich nicht einmal deinstallieren lässt, hat uns mit seinen ständigen „Warnhinweisen“ und „Tipps“ manchmal den letzten Verstand geraubt.

Lobenswert: Über den Menüpunkt „Xperia Assist“ erhalten Nutzer nützliche Hinweise und können einige Funktionen automatisieren.

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Sony Xperia XZ2 im Test: Leistung, Speicher und Akku

Leistungstechnisch muss sich das Sony Xperia XZ2 vor keinem Konkurrenz-Smartphone verstecken. Auf maximal 2,6 GHz taktet der potente Snapdragon 845 mit seinen acht Kernen und wird dabei von 4 GB RAM unterstützt. Ob Alltagsaufgaben oder grafisch aufwändiges 3D-Spiel: Nichts kann dem Gespann aus Prozessor und Arbeitsspeicher ins Schwitzen bringen. Auch für die kommenden Jahre hat das Xperia XZ2 somit noch genügend Power unter der Haube.

Für Nutzerdaten stehen 64 GB Speicher zur Verfügung, von denen nach Abzug des Betriebssystems und der vorinstallierten Anwendungen noch circa 48 GB zur freien Verwendung übrig bleiben. Wer mehr braucht, kann den internen Speicher mithilfe des microSD-Slots um bis 400 zusätzliche GB erweitern.

Mit 3.180 mAh ist der Akku im Xperia XZ2 nicht übermäßig groß – Konkurrenten wie das Huawei P20 bieten hier mit 3.400 mAh deutlich mehr. Bei gemischter Nutzung sind wir trotzdem problemlos über einen vollen Arbeitstag gekommen und hatten abends noch circa 15 bis 20 Prozent Akku übrig. Ist das Xperia XZ2 einmal leer, wird der Akku dank mitgeliefertem Schnellladegerät zügig wieder mit Saft versorgt.

Sony Xperia XZ2: Technische Ausstattung im Überblick

Display 5,7 Zoll,  2.160 x 1.080 Pixel, LCD, Gorilla Glass 5
Prozessor Qualcomm Snapdragon 845, 2,6 GHz + 1,7 GHz Octa-Core
GPU Adreno 630
Arbeitsspeicher 4 GB RAM
Interner Speicher 64 GB, erweiterbar per microSD-Karte um bis zu 400 GB
Hauptkamera 19 MP, Autofokus, LED-Blitz, 3D-Modus, HDR-Videos in 4K, Zeitlupenvideos mit 960 Bildern pro Sekunde bei Full HD
Frontkamera 5 MP,  Selfie-3D-Scan-Funktion, Videos in Full HD
Akku 3.180 mAh, Quick Charge 3, USB-Typ-C
Betriebssystem Android 8.0 Oreo
Maße 153 x 72 x 11,1 mm
Gewicht 197 Gramm
Sonstiges WLAN 802.11b/g/n/ac, GPS, Bluetooth 5.0, NFC, LTE (Cat18), Single- und Dual-SIM-Versionen, IP68-zertifiziert

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Sony Xperia XZ2 im Test: Das hat uns gut gefallen

  • Glasgehäuse ist exzellent verarbeitet.
  • Dank Rundung auf der Rückseite liegt das Xperia XZ2 gut in der Hand.
  • Leistung auf höchstem Niveau mit Snapdragon 845 und 4 GB RAM.
  • Nach fünf Jahren ein neues Design für Sonys Flaggschiff-Smartphones.
  • Android 8.0 ohne starke Herstelleranpassungen.
  • Gut klingende Stereo-Lautsprecher.
  • Mitgelieferte Sony-Kopfhörer bieten hervorragenden Klang.
  • Super-Zeitlupe ermöglicht faszinierende Effekte.
  • Schnellladegerät im Lieferumfang enthalten.
  • Dank des Handschuhmodus kann der Touchscreen auch bedient werden, wenn man Handschuhe trägt – praktisch im Winter.

Sony Xperia XZ2 im Test: Das hat uns nicht gefallen

  • Mit 197 Gramm ist das Xperia XZ2 vergleichsweise schwer und mit 11,1 mm recht dick.
  • Powerbutton und Fingerabdrucksensor zu tief angebracht.
  • Abgelegt auf Tischen oder anderen Flächen ist die Glasrückseite extrem rutschig.
  • Kein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss.
  • Nerviger AVG-Virenscanner.
  • Dynamische Vibration nur ein nutzloses Gimmick.
  • Extrem sensibles Gyroskop, das den Bildschirminhalt bereits bei der leichtesten Neigung drehen lässt.

Sony Xperia XZ2 im Test: Gut zu wissen

  • Über „Xperia Assist“ können in den Einstellungen bestimmte Aktionen automatisiert werden, zudem erhalten Nutzer nützliche Tipps und Funktionen werden genauer erklärt.
  • Farbdisplay, Kontrast und Weißabgleich des Displays können individuell eingestellt werden.
  • Ein dedizierter Kamerabutton auf der rechten Gehäusetaste erlaubt das Auslösen der Kamera, ohne auf den Touchscreen tippen zu müssen.
  • Sobald das Xperia XZ2 aufgehoben wird, erscheinen dank „Raise to wake“ aktuelle Benachrichtigungen auf dem Sperrbildschirm.

Auf der zweiten Seite: Die Alternativen zum Xperia XZ2.

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