Octopath Traveler: Die RPG-Erfahrung meines Lebens

Victor Redman

Lange haben RPG-Fans auf den neuen Titel von Square Enix gewartet, nun ist es soweit: Am 13. Juli 2018 erscheint Octopath Traveler exklusiv für Nintendo Switch. Kann das heiß erwartete Spiel dem Hype gerecht werden? 

So präsentierte Nintendo Octopath Traveler auf der diesjährigen E3:

OCTOPATH TRAVELER - E3 2018-Trailer (Nintendo Switch).

Ein Game, acht Geschichten. Mit dieser ungewöhnlichen Prämisse hatte Octopath Traveler bei mir direkt einen Stein im Brett. Wenn ich noch einmal einen tapferen Bauernjungen mit einem geheimnisvollen Schicksal spielen muss, fang‘ ich nämlich an zu schreien und höre so bald nicht wieder auf. Das lang erwartete neue RPG von Square Enix spart die x-te Wiederholung des Klischees. Hier entscheide ich, mit wem ich die Spielwelt Osterra erkunde.

16 Fäuste für Osterra

Der Kontinent lässt sich, wie der mysteriöse Titel schon andeutet, auf acht Pfaden erkunden. Dabei steht jeder Pfad für eine eigene Figur mit eigener Geschichte und eigenem Ziel. Die Abenteuer der einzelnen Charaktere sind zwar linear in Kapitel unterteilt – ob und wann ich sie in Angriff nehme, bleibt aber mir überlassen.

Das Gleiche gilt auch für die Wahl des Hauptcharakters. Uninteressant wirkt auf den ersten Blick keiner der acht Traveler. Zunächst liebäugle ich mit dem treuen Ritter Olberic oder der Jägerin H’annit. Letztendlich entscheide ich mich aber für Tänzerin Primrose.

Als das Spiel beginnt, erfahre ich, dass Prims Vater getötet wurde, als sie noch ein kleines Mädchen war. Seitdem ist sie auf der Suche nach den Mördern, die alle auffällige Krähen-Tätowierungen tragen. Auf ihrer Reise ist Prim in die Fänge des schmierigen Helgenish geraten, der „seine“ Mädchen stundenweise an zahlende Gäste vermietet.

Wer hätte gedacht, dass Nintendo – die Firma, die einst vor Gericht gegen Grusel-Schocker wie Night Trap wetterte – mal einen Titel zulässt, indem der Spieler eine Sexsklavin spielen kann? Genau das ist Primrose nämlich als ihre Geschichte beginnt – und das Spiel macht daraus auch keinen Hehl. Ihr „Meister“ beschimpft sie lautstark als „Hure“ und kündigt unmissverständlich an, was er im Laufe der Nacht noch so mit ihr vorhat. Eins ist sicher: Osterra ist weit weg vom fröhlichen Pilzkönigreich.

Zum Glück muss Primrose das Sklaven-Dasein nicht viel länger erdulden: Nachdem sie in der Taverne einen Mann mit Krähen-Tätowierung entdeckt hat, nimmt sie die Verfolgung auf. Hierbei läuft sie auch den ersten Gegnern über den Weg.

Klassische Kämpfe im neuen Gewand

So innovativ das Spielkonzept auch von Octopath Traveler auch sein mag, so klassisch gestalten sich die Kämpfe. Wer schon mal fünf Minuten ein RPG gespielt hat, findet sich hier problemlos zurecht. Das Kampfsystem ist rundenbasiert. Ein Traveler kann in seinem Zug entweder angreifen, spezielle Fähigkeiten oder Items einsetzen oder sich gegen den nächsten Angriff wappnen.

Der Teufel liegt im Detail. Wer seine Karten klug spielt und die individuellen Schwächen seiner Gegner ausnutzt, kann sie lähmen und so um ihren Zug bringen. Gleichzeitig sammeln die Traveler mit jedem Zug, in dem sie ihren Waffen nicht einsetzen, Booster-Punkte. Die wiederum können zu gegebener Zeit eingesetzt werden, um vernichtende Kombo-Attacken zu entfesseln.

Diese Kombos wollen aber taktisch klug vorbereitet werden. Selbst die schwächsten Gegner stecken so einiges weg, ehe sie endlich in einer lila Wolke verschwinden. Boss-Kämpfe in späteren Kapiteln können auch mal eine halbe Stunde andauern. Ohne Strategie ist in Osterra kaum ein Kampf zu gewinnen. Wer nicht mitdenkt, sieht ganz schnell den „Game Over“-Bildschirm. Das Boost-System kennst du vielleicht so ähnlich noch aus dem Spiel Bravely Default. Kein Wunder, werkelt an Octopath Traveler doch derselbe Produzent namens Tomoya Asano, der schon an Bravely Default mitarbeitete.

Osterra: So schön, dass man hinziehen möchte

Dabei ist jedes „Game Over“ eins zu viel. Jedes Neuladen hindert mich schließlich daran, die riesige Spielwelt weiter zu erkunden. Und die kann sich wirklich sehen lassen.

Ebenfalls einen Blick wert: Das Retro-RPG Lost Sphear von Square Enix

Osterra sieht aus, als wäre das Intro zu Game of Thrones dort gedreht worden. Knuffige 16-Bit-Sprites agieren in einer halb dreidimensionalen Kulisse mit nahezu fotorealistischen Hintergründen. Wer sich hier über die Grafik beschwert, hat noch nicht gesehen, wie die liebevoll detaillierte Pixelwelt in absolut echt wirkendes Sonnenlicht getaucht wird. Die Grafik ist vielleicht nicht die modernste, die ich jemals in einem Spiel gesehen habe, vielleicht ist es aber das schönste Spiel, das ich je gesehen habe.

Spielprinzip: Alles kann, nichts muss!

Wie ich diese weitläufige Fantasy-Welt erkunde, überlässt das Spiel dabei tatsächlich komplett mir. Es gibt keinen fixen Startpunkt, keinen idealen Weg, keine optimale Team-Zusammensetzung. Nachdem ich Primrose erfolgreich durch ihr erstes Kapitel gelotst und sie ein bisschen aufgelevelt habe, stehen mir wieder alle Wege offen.

Noch mehr Spiele für Nintendo Switch findest du hier: 

Bilderstrecke starten
12 Bilder
Die besten Switch-Spiele für unter 20 Euro.

Lust auf einen Abstecher ins schöne Osterra? Dann bestelle hier Octopath Traveler für Deine Nintendo Switch! *

Ich kann nun einen der anderen Traveler suchen, ihn als Reisegefährten rekrutieren und seine Geschichte miterleben. Wenn ich will, kann ich das nacheinander mit allen sieben Travelern so machen. Begleiten können mich aber immer höchstens drei Traveler gleichzeitig.

Will ich mir das ganze Hin und Her sparen, kann ich natürlich auch Primroses Pfad weiter verfolgen und direkt das zweite Kapitel ihrer Geschichte angehen. Ich schätze, ich könnte das ganze Spiel – besser gesagt: Prims ganze Geschichte – nur mit einer einzigen Figur durchzocken. Ich müsste wahrscheinlich endlos aufleveln, um den Gegnern in späteren Kapiteln trotzen zu können – aber ich könnte es versuchen. Alles kann, nichts muss. Und gerade darum will ich alles entdecken, was es zu entdecken gibt. Ich entscheide mich also, erstmal andere Traveler aufzusuchen.

Mein erster Gefährte wird Apotheker Alfyn. Es folgt H’annit, die Jägerin, die ich anfangs fast Primrose vorgezogen hätte. Während ich nach und nach Weggefährten um Prim schare, wundert es mich dann aber doch, wie wenig die einzelnen Geschichten dem Anschein nach miteinander zu tun haben. Zwischen den Travelern gibt es nur einzelne Gesprächsfetzen, doch mehr sei hier nicht verraten.

Fazit und Zusammenfassung

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann jammere ich auf höchstem Niveau. Die einzelnen Geschichten der Traveler sind schon ziemlich perfekt erzählt, so dass ich zu jedem Charalter schnell eine emotionale Bindung aufbauen konnte.

Dabei bleibt das Gameplay klassisch genug, um vertraut zu wirken, bringt aber auch genug Neues ein, um spannend zu bleiben. Ein ähnliches Kunststück gelingt mit der riesigen Spielwelt, die den Look klassischer RPGs scheinbar mühelos ins nächste Jahrtausend überträgt.

Unterm Strich war Octopath Traveler die RPG-Erfahrung meines Gamer-Daseins. Ich freue mich schon, wenn es eine Fortsetzung gibt.

Octopath Traveler wird dir gefallen, wenn du auf Spiele stehst, in denen Story und Gameplay sich die Waage halten.

Octopath Traveler wird dir nicht gefallen, wenn du bei jedem neuen RPG eigentlich nur auf das hundertste Remake von Secret of Mana oder Final Fantasy hoffst.

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* gesponsorter Link