Oculus Go im Test: Dieses VR-Headset macht den Einstieg leicht

Stefan Bubeck

„Stand-Alone“, also ohne Kabel und zusätzlichem Rechner – das ist das Virtual-Reality-Zauberwort. Ist die preiswerte Oculus Go die beste VR-Brille, die man derzeit kaufen kann? Unser Test verrät es! 

Wir wollen an dieser Stelle nicht nochmal die Frage aufwerfen, wann Virtual Reality nun endlich durchstartet und Mainstream wird: Es dauert noch eine Weile, die Dinge entwickeln sich, Punkt. Interessanter ist vielmehr, wo sich der neueste Ableger von Oculus in dieser Entwicklung platziert und ob man sich dieses Gadget kaufen soll. Denn eines ist sicher: Die Oculus Go ist mit 219 Euro (UVP) preislich attraktiv – das ist günstiger, als die meisten Konsolen auf dem Markt und unterbietet auch viele Fernsehgeräte. Die technische Daten findet ihr auf unserer Produktseite zur Oculus Go, hier ist unser Video mit Eindrücken der Redaktion beim Ausprobieren und Szenen aus den verwendeten Apps:

Oculus Go – Unser Ersteindruck.

Oculus Go im Test: Unser Urteil

Wer sich erhofft, VR fühle sich mittlerweile so an, wie in einer riesigen, nahtlos mit 4K-Fernsehern ausgetäfelten Kugel zu sitzen, muss leider enttäuscht werden. Wir sind noch weit weg vom Eintauchen in eine perfekte Illusion, wie sie das Holodeck auf dem Raumschiff Enterprise bietet. Wo wir jetzt stehen, das entspricht in etwa der 16-Bit-Ära bei Spielekonsolen (Super Nintendo, Mega Drive): Die grundlegenden Bedingungen sind voll erfüllt, man kann einen Bombenspaß haben – aber wir alle wissen, da wird sich in den kommenden Jahren noch einiges tun.

Während die teurere Oculus Rift mit einem Tracking-System und Systemanforderungen an einen externen Rechner daherkommt, ist die Oculus Go viel simpler in der Nutzung: Auspacken, einrichten (mit Facebook-Account) und loslegen. Man braucht kein Smartphone oder irgendwelche Sensoren im Raum aufstellen.

Die Hardware überzeugt. Sowohl bei der Verarbeitung als auch beim Tragekomfort ist gute Arbeit geleistet worden. Die Oculus Go lässt sich gut an jede Kopfform anpassen, sogar Brillenträger können das VR-Headset problemlos nutzen. Einzig der etwas nasale Klang der integrierten Lautsprecher ist verbesserungswürdig. Die Bildqualität ist am schwierigsten zu bewerten. Die 2.560 × 1.440 Pixel (WQHD) bedeuten pro Auge 1.280 × 1.440 Pixel: Das ist nicht schlecht, aber ein „Fliegengitter-Effekt“ in Form eines feinen Rasters über dem Blickfeld ist stets auszumachen – je nach Szenario mal mehr, mal weniger. Wer den Blick zu sehr an den Rand lenkt, wird zudem Verzerrungen durch die Linsen wahrnehmen (chromatische Aberration), weshalb man lieber die Augen nach vorne richten und sich mit der Bewegung des ganzen Kopfes umschauen sollte – dann ist der Bildeindruck am besten.

Softwareseitig ist die Auswahl groß. Da man auch einen ganz normalen Browser verwenden kann, um etwa 360-Grad-Videos bei YouTube anzusehen oder eine einschlägige Seite für Erwachsenenunterhaltung anzusteuern, ist sie sogar riesig. Achterbahnfahrten, Grusel-Schocker, Pole-Dance in 3D, Städtereisen in 360 Grad oder ein gemischtes Angebot wie bei Magenta VR von der Telekom: Am Anfang weiß man gar nicht, was man zuerst machen soll.

Einige Apps sind nicht mal für zwei Minuten interessant, etwa weil die Bildqualität zu verpixelt ist oder der benötigte Stream schlichtweg nicht lädt. Bei einigen Spielen wird der Oculus-Go-Controller nicht umfassend unterstützt, sodass man beim Tischtennisspiel das Gefühl hat, man verschiebe nur einen Schläger, der auf einer Schiene am Tisch entlangfährt. Andererseits wissen manche Inhalte zu begeistern: Das unheimliche Monster aus Stranger Things bei „Face Your Fears“, der realistische Tiefeneindruck bei den Inhalten von Amaze oder das gemütliche Wohnzimmer der Netflix-App sind solche Beispiele.

Fazit: Die Oculus Go ist nicht perfekt, aber sie ist komfortabel, einfach zu nutzen und vor allem preiswert. Damit ist sie sehr nah dran an dem, was sich viele Virtual-Reality-Interessierte schon immer gewünscht haben. Was jetzt noch fehlt, sind echte Hit-Anwendungen: Wir haben zwar einige gute Erfahrungen gemacht, aber ein Überflieger war nicht dabei. Die technischen Gegebenheiten muss man verschmerzen können, vor allem die gute, aber noch immer nicht optimale Bildqualität.

Eine Kaufempfehlung für jedermann wollen wir nicht aussprechen. Wer jedoch VR schon immer im Blick hatte, aber angesichts teurer und komplizierter Gadgets zögerlich blieb, darf nun endlich zuschlagen. Die Oculus Go ist der aktuell beste Einstiegspunkt in die VR: Eine wachsende Welt, in der man tief in neuartige Erlebnisse versinken kann.

Oculus Go: Testwertung

Hardware: 80 Prozent
Tragekomfort: 85 Prozent
Bildqualität: 75 Prozent
Gesamt: 80 Prozent

Oculus Go: Das hat uns gefallen

  • Kein PC oder Smartphone erforderlich und somit so einfach wie es nur sein kann.
  • Die Hardware gefällt durch gute Verarbeitung, schlichtes Design und guten Tragekomfort. Der Controller liegt gut in der Hand und arbeitet präzise (außer die App ist schlecht programmiert).
  • Die Bildqualität ist besser als bei den allermeisten „Billig-Lösungen“, wo ein Smartphone in ein leeres Headset eingeschoben wird (z.B. Google Daydream).

Das fanden wir nicht so gut

  • Geladen wird mit Micro-USB statt USB-C.
  • Der Akku war nicht selten nach etwas mehr als zwei Stunden leer. Andererseits ist bei vielen Anwendungen auch nach einer halben Stunde schon eine kleine Verschnaufpause zu empfehlen, da die Virtual Reality die Sinne stärker beansprucht als etwa ein Fernseher.
  • Die Auflösung ist gut, aber immer noch nicht hoch genug. Man sieht (manchmal sehr deutlich) die Struktur des LC-Displays (Fliegengittereffekt).
  • Wir hatten eigentlich gehofft, die Oculus Go könnte ein Heimkino ersetzen. Aber die Netflix-App zeigt dann doch eine zu grob aufgelöste und etwas kontrastarme Kinoleinwand – ein großer 4K-TV in einem abgedunkelten Raum bleibt weiterhin ungeschlagen.
Oculus
Entwickler: Oculus VR
Preis: Kostenlos

Oculus Go: Gut zu wissen

  • Die Oculus Go arbeitet ohne Trackingsystem im Raum, das bedeutet aber auch, das ausschließlich die Kopfbewegungen und der Controller in der Hand erfasst werden. Die Bewegungen des Körpers (Schritte im Raum) spielen keine Rolle.
  • Konfiguriert wird das Gerät mit der Oculus-Go-App auf dem Smartphone (iOS und Android). Es gibt viele kostenlose Apps, aber auch eine umfassende Auswahl an kostenpflichtigen Anwendungen und Spielen.
  • Links- oder Rechtshänder: Beides ist möglich und lässt sich einstellen.
  • VR-Einsteiger sollten wissen, dass die Inhalte sich unterscheiden. So gibt es 360-Grad-Videos, bei denen man sich umschauen kann, als befände man sich in der Mitte einer kugelförmigen Aufnahme – hier kann aber die räumliche Tiefenwirkung fehlen. Andere Inhalte sind hingegen tatsächlich 3D, zeigen also pro Auge einen eigenen Blickwinkel an (Stereoskopie) – dafür kann dann aber der Gesamtausschnitt kleiner sein, etwa 180 Grad.

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