Warum Amazon Netflix & Co auf dem neuen Fire TV Stick so viel Platz spendiert

Sebastian Trepesch 1

Mit dem neuen Fire TV Stick platziert Amazon auf dem Fernseher konkurrierende Streamingdienste fast so prominent wie das eigene Amazon Video. Ein mutiger Schritt, aber nicht ohne Kalkül.

Was ist Amazon Fire TV?

Startet man den neuen Fire TV Stick am Fernseher, begrüßt den Nutzer ein großes Banner. Es bewirbt zum Beispiel eine Amazon-Serie. Oder eine Netflix-Folge. Oder Inhalte von weiteren Streamingdiensten, darunter auch deutsche (vermutlich maxdome). Doch nicht nur in dem Karussell werden Fremdinhalte auf der Startseite des Streaming-Sticks angezeigt, sondern auch in den Auswahlleisten darunter.

Die Integration von Konkurrenzangeboten reicht noch weiter: Auf einer Filmseite, die man zum Beispiel über eine Suche erreicht, führt der „Kaufen“-Button nicht nur zu Amazon: Verleiht Amazon den Film kostenpflichtig, kann er aber auch über das gebuchte Netflix-Abo angesehen werden, führt der Fire TV Stick den Nutzer zum Konkurrenzdienst. Amazon bietet also nicht einfach eine Möglichkeit, Fremdanbieter-Apps zu installieren, sondern integriert sie stärker als je zuvor.

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In den Genuss der neuen Möglichkeiten werden auch Kunden der ersten Generation des Sticks kommen, über ein Update. Keine Angst: Wer keine Abodienste nutzt und die entsprechenden Apps nicht installiert, wird von den Angeboten nicht belästigt.

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Fire TV Stick als Anlaufstelle #1 am Fernseher

Keine Frage: Der neue Fire TV Stick will nicht nur als Streamingstation für Amazon Video gelten. Das verwundert. Als Amazons bisherige Strategie galt, mit günstiger Hardware Kunden zu gewinnen und an sich zu binden. Die Inhalte werden zum Gewinnbringer. Werden nun die konkurrierenden Inhalteanbieter gut in die Oberfläche des günstigen Fire TV Stick integriert, klingt das zunächst widersprüchlich.

Ist es aber nicht. Der Streamingmarkt ist stark fragmentiert, und Amazon ist bewusst, dass es alleine nie die Lizenzen für alle relevanten Inhalte bekommen kann. Das Unternehmen bemüht sich vielmehr, sich mit Fire TV an möglichst vielen Fernsehgeräten zu etablieren – am ersten HDMI-Anschluss, als Anlaufstelle Nummer 1. Dafür kann das eigene Videoangebot ruhig etwas zurückstehen, getreu dem Motto: Was dem Fire TV guttut, bringt auch Amazon nach vorne.

Dass der Versandhändler Durchhaltevermögen besitzt, ist kein Geheimnis: Manche Sparten durften über viele Jahre hinweg rote Zahlen schreiben, bis sie dem Unternehmen Gewinn einbrachten.

Sich mit der Integration der Konkurrenz zu etablieren, das hat auch Apple mit Apple TV 4. Generation versucht. Auf der Box des iPhone-Herstellers werden zum Beispiel über die Siri-Suche Netflix-Inhalte neben Käufen im iTunes-Store angezeigt. Die Umsetzung ist allerdings wesentlich weniger konsequent und weniger umfassend. Netflix ist zwar auch hierzulande mittlerweile eine Größe, aber auf dem deutschen Markt muss man wesentlich mehr Anbieter unterstützen.

Eine Politik, die die Kindle-Reader nicht genießen

Der Kunde freut sich über die Politik von Amazon und setzt den Fire TV Stick gerne ein. Nicht nur für Amazon Video, sondern auch Streaming von ARD, Zattoo und eben direkten Konkurrenten wie Netflix & Co. Beste Chancen, sich noch stärker in den Wohnzimmern zu etablieren.

Auffällig: Bei den E-Book-Readern Kindle ging (und geht) Amazon anders vor: Hier wird die Nutzung auf die eigenen Inhalte konzentriert. Das beliebte ePub-Format wird nicht unterstützt, der Kopierschutz Adobe DRM der anderen Buchhändler gleich gar nicht. Schade eigentlich, dass Amazon hier nicht ähnlich offen agiert wie auf dem Fire TV Stick.

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